stiefo ist analog. Old School. Und ziemlich abgefahren.

stiefo kultiviert, was in unserer Zeit immer weniger geschätzt wird: das Schreiben mit der Hand. Dabei kann stiefo nicht durch Computer-Gadgets ersetzt oder unterstützt werden: Der Zauber von stiefo liegt darin, Wörter mit echten Stiften auf echtem Papier festzuhalten. Kein iPad & Co. oder andere elektronische Spielereien können da mithalten. Sollen sie auch nicht. Und das ist gut so.

Untersuchungen der letzten Jahre lassen erahnen, dass Schreiben mit der Hand kreative Prozesse im Gehirn unterstützt, vielleicht sogar aktiviert (siehe u. a. Wie das Schreiben das Denken verändert von Katrin Zeug auf ZEIT ONLINE). Handgeschriebene Texte werden raffinierter und – was Lernende schon lange wissen – selbst verfasste Inhalte besser im Gedächtnis verankert. stiefo trägt dazu bei Gedanken, Wörter und Sätze ungebremst zu Papier zu bringen.

Wie ich zu stiefo kam

In meinem Beruf komme ich immer wieder in Situationen, in denen ich mitdenken und mitschreiben muss. Notizen oder Protokolle von Besprechungen zum Beispiel. Aber ich kann nur entweder mitdenken oder mitschreiben. Beides gleichzeitig geht nicht. Meistens leidet das Mitschreiben: Im Nachgang von Besprechungen habe ich oft Schwierigkeiten zu verstehen, was ich zu Papier gebracht habe. Das wollte ich ändern.

So fing ich an zu recherchieren. Steno war naheliegend und es dauerte nicht lang und ich stieß auf stiefo. Ich war sofort angefixt, wie es so schön heißt.

Der Zeichenvorrat ist einfach, das Regelwerk auch und Helmut Stief hatte es mit seinem stiefo zu Weltbestleistungen gebracht. Er hauchte der angestaubten Deutschen Einheitskurzschrift (DEK) frisches Leben ein.

Ich schreibe auch hin und wieder in mein Tagebuch. Ich stellte fest, meine Gedanken laufen den geschriebenen Worten wieder und wieder davon. Es wäre doch großartig, wenn die Wörter auf den Tagebuchseiten eine Chance hätten, zu den Gedanken aufzuschließen.

So fing ich an, Übungsmaterialien zu suchen. Die, die ich fand, waren aus dem letzten Jahrhundert. Es gibt die Seite www.stiefo.de und dort auch Unterlagen zum Bestellen, aber die Beispielseiten lassen das Alter der Unterlagen deutlich erkennen. Keine Frage, man kann damit umfassend und sehr gut stiefo lernen. Aber ich war sofort daran interessiert, ein Programm zu schreiben, das mir aus Wörtern schöne Grafiken erstellt. Es gab bereits im Netz ähnliche Programme, aber deren Schriftbild stellte mich nicht zufrieden.

Auch störte ich mich an dem angestaubten Lehrstil der Übungsmaterialien mit seinen Belehrungen und Wiederholungen. „Schreiben Sie deutlich” brauche ich nicht mehrfach lesen – der Punkt ist für mich vielmehr deutlich genug zu schreiben. So, dass man seinen Schrieb später noch lesen und verstehen kann. Aber das versteht sich von selbst und braucht nicht mehrfach erwähnt werden.

Neben dem Lernen von stiefo reifte so der Wunsch, einen Leitfaden zu erstellen, der einfach nur erklärt, was stiefo ausmacht. Dieser Leitfaden ist nun online und ich lade alle Interessierten ein, sich an der Eleganz von stiefo zu erfreuen.

Legen Sie los und viel Spaß dabei

Legen Sie los und viel Spaß dabei!

Thomas Reinartz