Die Grundschrift hat 25 Zeichen. Davon stehen 24 Zeichen entweder

  • für Konsonanten wie im gewohnten lateinischen Alphabet (z. B. b, d, g und m) oder
  • für Konsonantenverbindungen oder Laute (z. B. nd, nk, sch und sp).

Das 25. Zeichen ist das sogenannte Vokalzeichen.

Und die Vokale? Die gibt es nicht. Zumindest nicht als eigenständige Zeichen. Vokale erkennt man in stiefo an der sogenannten Hoch- oder Tief­stufung der Konsonanten.

Die Konsonanten

Das stiefo-Alphabet umfasst 24 Konsonanten und Konsonantenverbindungen:

b
b
ch
ch
cht
cht
d
d
f oder v
f oder v
g
g
h
h
j
j
k oder ck
k oder ck
l
l
m
m
n
n
nd oder nt
nd oder nt
ng oder nk
ng oder nk
p
p
pf
pf
r
r
s oder ß
s oder ß
sch
sch
sp
sp
st
st
t
t
w oder v
w oder v
z oder tz
z oder tz

Es gibt eine Übersicht der Konsonanten und Vokale, die zum Ausdrucken geeignet ist: stiefo Alphabet zum Ausdrucken.

Merkmale

Alle Zeichen haben grundlegende, charakteristische Merkmale:

  • Zeichen können halbstufig oder ganzstufig sein
  • Zeichen können rechtsschräg oder linksschräg sein (beschreibt die vorwiegende Schreibrichtung: rechtsschräg bedeutet, der Stift bewegt sich von der Startposition schräg nach rechts)
  • Zeichen können eine Kopf- oder Fußschleife haben (Kopfschleifen kann man im Alphabet sehen, aber Fußschleifen ergeben sich erst beim Schreiben von Wörtern)
  • Zeichen können oben spitz oder unten spitz sein
  • Zeichen können oben rund oder unten rund sein

Für ein paar Zeichen (z. B. die für m und p) braucht man weitere Merkmale, um sie zu beschreiben (siehe folgende Beispiele).

Beispiele

Zei­chen Merkmale
b
ganzstufig, linksschräg, oben und unten spitz
cht
ganzstufig, rechtsschräg, oben und unten rund
n
halbstufig, rechtsschräg, oben rund, unten spitz
st
ganzstufig, linksschräg, Kopfschleife, unten spitz
w oder v
ganzstufig, oben spitz, unten rund, bauchig
z oder tz
ganzstufig, linksschräg, oben und unten spitz, leicht nach links gebogen

Die Vokale

Vokale haben keine eigenständige Zeichen. Man erkennt sie am Abstand und der vertikalen Position des nachfolgenden Zeichens.

Bei den Vokalen spielen Kurzschriften wie stiefo ihre Stärken aus: anstatt die Vokale – wie in der Langschrift – als eigenständige Zeichen darzustellen, wird eine effizientere Darstellung gewählt: Abstand und Position. Das lässt sich viel schneller schreiben als jedes Mal a, e, i, o oder u.

In stiefo sagen wir zum Abstand »Lage« und zur Position »Stufe« oder »Hoch- bzw. Tief­stufung«.

Lagen und Stufungen der Fußpunkte bei Vokalen

Bei hintereinander geschriebenen Zeichen unterscheidet man enge, halb­weite oder weite Lagen und die Hoch- bzw. Tief­stufung. Für die Unterscheidung werden immer die sogenannten Fußpunkte der Zeichen verglichen. Der Fußpunkt ist die Stelle, wo das Zeichen auf der Grundlinie steht.

Konsonant – Vokal – Konsonant

Die Fußpunkte zweier Konsonanten, die einen Vokal umschließen, stehen immer

  • in halb­weiter oder weiter Lage und entweder
  • auf gleicher Stufe oder
  • eine halbe oder ganze Stufe höher (Hochstufungen) oder
  • eine halbe Stufe tiefer (Tief­stufung gibt es nur in halber Stufe).

Konsonant – Konsonant

Die Fußpunkte zweier Konsonanten, die keinen Vokal umschließen, stehen immer

  • in enger Lage
  • auf gleicher Stufe.

Alle Vokale auf einen Blick

Im Deutschen gibt es mehr Vokale, als mit Lagen und Hoch- bzw. Tief­stufung eindeutig abzubilden wären. Daher hat Helmut Stief ähnlich lautende Vokale zusammen gefasst:

Stu­fung / Lage halb­weite Lage weite Lage
ganze Stufe hochöeu, äu, oi
halbe Stufe hochaei, ai
gleiche Stufee, äu, au
halbe Stufe tieferi, ie, üo

In der Praxis spielt die Mehrdeutigkeit kaum eine Rolle: aus dem Kontext lässt sich meistens erkennen, welcher Vokal gemeint ist.

Umlautpunkte

Man kann zur Verdeutlichung der Vokale ä, ü und au einen sogenannten Umlautpunkt unter den jeweiligen Vokal setzen:

Bär
Bär
Baum
Baum

So lassen sich z. B. Bären von Beeren oder die Dummen von den Daumen unterscheiden. stiefo kompakt zeigt die Umlautpunkte stets an, aber in der Praxis können sie oft ohne Verlust an Eindeutigkeit weggelassen werden.

Beispiele für Hoch- und Tief­stufung

Man kann sich unterschiedliche Lagen und Stufungen an Wörtern wie »beten«, »bauten«, »bieten«, »boten« etc. gut veranschaulichen:

Stu­fung / Lage halb­weite Lage weite Lage
ganze Stufe hoch
böten
böten
Beuten
Beuten
halbe Stufe hoch
baten
baten
Beiten
Beiten (Phantasie­wort)
gleiche Stufe
beten
beten
Bauten
Bauten
halbe Stufe tiefer
bieten
bieten
Boten
Boten

Erinnerung: Immer die Fußpunkte vergleichen und nicht die Köpfe. Da es Zeichen gibt, die eine halbe oder eine ganze Stufe groß sind, funktioniert das Vergleichen mit den Köpfen nicht.

Beispiele für enge und halb­weite Lagen

Stehen Konsonanten unmittelbar hintereinander (wie z. B. bei br in »breit«), werden diese in enger Lage auf der gleichen Stufe geschrieben:

enge Lage bei br halb­weite Lage bei ber
breit
breit
bereit
bereit

Zugegeben: Die Unterscheidung von enger und halb­weiter Lage ist nicht immer ganz einfach. Aber diese Schwierigkeit tritt nur auf, wenn es um die Frage geht „Ist das jetzt e bzw. ä oder sind das zwei Konsonanten?”. Immer wenn die Fußpunkte beim Lesen hoch oder runter gehen, ist ein Vokal im Spiel - man muss folglich nur die halb­weite Lage von der weiten Lage unterscheiden (was in der Regel einfach ist). Und beim Schreiben sind zwei aufeinander folgende Konsonanten bewusst eng zu schreiben.

Das Vokalzeichen

Das 25. Zeichen ist das Vokalzeichen:

Vokalzeichen
Vokalzeichen

Das Vokalzeichen ist kein eigenständiger Vokal, sondern es trennt in stiefo zwei aufeinanderfolgende Vokale, die sonst nicht zu erkennen wären.

Beispiele

Bei den Worten »Bauer« und »Nation« kommt das Vokalzeichen zum Einsatz: hier trennt es die Vokale au und er bzw. i und o:

Bauer
Bauer → bau_er
Nation
Nation → nati_on