Jede Kurzschrift verdichtet, verkürzt, vereinfacht die Alltagsschrift. So auch stiefo. Die Hauptmerkmale haben alle mit dem Weglassen von Buchstaben zu tun, denn die meiste Zeit beim Schreiben spart man, indem man soviel wie möglich gar nicht erst zu Papier bringt.

stiefo hat, neben einem eigenen Alphabet, folgende Hauptmerkmale:

  • Man schreibt, wie man spricht und lässt Überflüssiges weg: so wird aus der »Bohnensuppe« in stiefo die bonensupe.
  • Vokale werden nicht geschrieben. Sie ergeben sich aus der Stellung zweier Konsonanten zueinander: Steht z. B. ein Konsonant höher als sein Vorgänger, ist ein anderer Vokal zwischen diesen Konsonanten gemeint, als wenn ein Konsonant stattdessen niedriger als sein Vorgänger steht.
  • Jedes stiefo-Zeichen ist optimal darauf ausgerichtet, schnell geschrieben zu werden: So wenig Strich wie möglich, immer ohne Absetzen des Stifts und stets so endend, dass schnell das nächste Zeichen zugefügt werden kann. Helmut Stief nennt das »vorwärtsstrebend« und »schreibflüchtig«; »schreibflüssig« ist auch sehr treffend.

Selbstverständlich haben die Weglassungen und Verkürzungen ihren Preis: Manchmal sind stiefo-Worte nicht eindeutig. So kann z. B. ban genauso für »Bahn« wie für »Bann« stehen. In der Praxis ist das selten ein Problem, denn am Kontext lässt sich meistens erkennen, was gemeint ist.

Die Effizienz der Zeichen

Helmut Stief hat viel Erfahrung in Gestaltung und Bedeutung der Zeichen einfließen lassen. Zwar sind die Zeichen der älteren Deutschen Einheitskurzschrift (DEK) entnommen, aber Helmut Stief hat sie teilweise umgedeutet. Er hat damit erreicht, dass die häufigsten deutschen Buchstaben in ihrer stiefo-Ersetzung blitzschnell zu schreiben sind. Ein oft anzutreffendes Beispiel ist das Wort »deren«: Es kommen vier der häufigsten Buchstaben des Deutschen vor (d, e, r und n) und daher muss »deren« in stiefo so einfach und so schnell wie möglich zu schreiben sein. Dazu gehört auch die Analyse, welche Buchstaben häufig am Wortanfang, am Wortende oder in der Wortmitte stehen. Helmut Stiefs Expertise verdichtet sich im Wort »deren«:

deren
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Knapper und schneller geht es nicht: »deren« ist in stiefo kaum mehr als eine flache, geschlängelte Linie.

Tatsächlich ist auch in der DEK »deren« nur eine geschlängelte Linie, aber nur in der Darstellung als Kürzel, das gesondert gelernt werden muss. In der ausgeschriebenen Form ist »deren« in der DEK ein Zeichen mit Kopfschleife und daher aufwändiger zu schreiben als in stiefo.