Im vorherigen Kapitel wurden bereits einige Wörter in den Beispielen verwendet. Jetzt wenden wir uns der Systematik zu, wie in stiefo aus Zeichen Wörtern werden.

Manche Wörter sind mit vertikalen Hilfslinien versehen, die es erleichtern, die Zeichengrenzen zu erkennen:

Zeichengrenzen
Zeichengrenzen sichtbar gemacht

Die Stufen

Um Wörter in stiefo zu schreiben, sind zur Orientierung zwei Linien hilfreich:

  1. die Grundlinie
  2. die Oberlinie

Der Abstand der beiden Linien legt die Größe für eine ganze Stufe fest. In stiefo kennen wir ganze und halbe Stufen:

  • Zeichen sind entweder halbstufig oder ganzstufig (klein oder groß)
  • Vokale können nachfolgende Zeichen heben oder senken: um entweder eine halbe oder ganze Stufe nach oben oder um eine halbe Stufe nach unten (oder weder noch: die Vokale e, ä, u und au führen zu keiner vertikalen Veränderung)

Wörter beginnen immer auf der Grundlinie, das heißt der Fußpunkt des ersten Zeichens steht auf der Grundlinie. Ob im weiteren Verlauf eines Wortes die Zeichen in halben oder ganzen Stufen nach oben oder unten gehen, hängt von den Vokalen ab.

Beispiele

Es folgen Beispiele, die das Auf und Ab der Wörter in stiefo veranschaulichen:

Lösegeldforderung
L-ö-s-e-g-e-l-d-f-o-r-d-e-r-u-ng

Die »Lösegeldforderung« lässt erkennen, wie Wörter in Stufen hoch und runter gehen können: zunächst der frühe, ganzstufige Anstieg durch das ö und der halbstufige Abstieg durch das o in der Mitte (dort, wo der lange waagerechte Strich ist).

Motorisierung
M-o-t-o-r-i-s-ie-r-u-ng

Die »Motorisierung« ist mit seinen i und ie ein Beispiel für Wörter, die sich deutlich nach unten bewegen. Hier wären weitere Hilfslinien hilfreich, die zwar in stiefo kompakt nicht angezeigt werden, aber auf liniertem oder kariertem Papier zur Verfügung stehen.

Wörter können sich auch nach oben bewegen:

Höllenfeuer oder Höhlenfeuer
H-ö-ll-e-n-f-eu-e-r
(oder Höhlenfeuer, je nach Kontext)

Ungeachtet der Beispiele mit deutlicher Auf- und Abwärtsbewegung ist bei den meisten Wörtern in stiefo das Auf und Ab ausgewogen. Helmut Stief hat bei den Vokalen darauf geachtet, die häufigsten Vokale e, i und a mit der kleinsten Bewegung zu versehen:

  • e führt zu einem halbweiten Abstand in der Horizontalen,
  • i zu einer halben Stufe nach unten und
  • a zu einer halben Stufe nach oben.

Die Vokale am Wortanfang und am Wortende

Vokale am Wortanfang und -ende brauchen zwei gedankliche Referenzpunkte:

  • Vokale am Wortanfang orientieren sich an der Grundlinie: Der Strich des Vokals beginnt auf der Grundlinie und wird von dort so fortgeführt, als ob man mitten im Wort einen Vokal darstellen würde.
  • Vokale am Wortende orientieren sich gedanklich an einem Vokalzeichen am Wortende. Das Vokalzeichen wird aber letztendlich weggelassen.

Beispiele für den Wortanfang

Anhand der folgenden Wortpaare wird schnell klar, wie Vokale am Wortanfang dargestellt werden:

beben oder Beben
beben oder Beben
eben
eben

Man erkennt deutlich, dass der Strich auf der Grundlinie beginnt und so fortgeführt wird, als ob es sich um einen Vokal in der Wortmitte handeln würde.

Zocker
Zocker
Ocker
Ocker

Weitere Beispiele

Ostern
Ostern
Anzug
Anzug
Eulen
Eulen

Beispiele für das Wortende

Für einen Vokal am Wortende führt man den Strich des Vokals so, als ob man am Wortende das Vokalzeichen schreiben wollte – letztendlich lässt man das Vokalzeichen aber einfach weg:

keine mit Vokalzeichen
keine_
(mit Vokalzeichen zur Verdeutlichung)
keine
keine
(Schreibweise in stiefo)

Weitere Beispiele

Bube
Bube
Magie
Magie
Bau
Bau

Ein auslaufender, längerer Strich am Wortende ist immer ein Vokal. Man ist anfangs geneigt, z. B. bei »Bube«, den Strich halb nach oben als halbe Stufe hoch einzuschätzen – also als a. Vorsicht: man muss das fehlende Vokalzeichen gedanklich zufügen und dann, im Fall vom zweiten b in »Bube«, die Fußpunkte von b und Vokalzeichen vergleichen. Die Fußpunkte wären auf gleicher Höhe und das e als solches sofort zu erkennen.

Die Fußschleife

Die Konsonanten ch, h, m, sch und s bzw. ß erhalten eine sogenannte Fußschleife, wenn der Verbindungsstrich zum nachfolgenden Zeichen deutlich nach oben geht (ein sogenannter Aufstrich). Die Fußschleife erleichtert das Schreiben, da man sonst den Aufstrich im Fußbereich irgendwie vorbeizwängen müsste oder es sonst so oder so zu Überschneidungen käme.

Zei­chen ohne Fuß­schleife mit Fuß­schleife
ch
ch
machen
machen
machart
machart
h
h
holen
holen
heulen
heulen
m
m
Miete
Miete
Meute
Meute
sch
sch
schon
schon
schön
schön
s oder ß
s oder ß
Suche
Suche
Seuche
Seuche